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Geboren wurde Alexander
Michailowitsch Gortschakov am 4. Juli 1798
östlicher Zeitrechnung (15. Juli westlichen
Datums) in Haapsalu an der Westküste
Estlands.
Frühzeitig begann er seine diplomatische
Karriere und wurde im Laufe seines Lebens in die
Regierungsarbeit dreier Zaren eingebunden.
Als 19jähriger trat er in die Dienste des
damaligen russischen Außenministers Karl
Robert Graf von Nesselrode und arbeitete mehr als
30 Jahre als dessen Gesandter in den russischen
Botschaften von London, Florenz, Wien und
Stuttgart. Dieser Einsatz wurde ihm gedankt, als
ihm die Aufgabe übertragen wurde, 1850 die
russischen Interessen im Deutschen Bundestag in
Frankfurt als Bevollmächtigter Russlands zu
vertreten.
1854 erfüllte Alexander Gortschakov seine
Botschafteraufgabe in Wien offenbar derart
zufriedenstellend, dass Zar Alexander II. ihn im
April 1856 zum Nachfolger Graf Nesselrodes in das
Amt des Außenministers berief, um ihm 1862
zusätzlich das Amt des Reichskanzlers zu
übertragen.
Alexander Gortschakov nutzte seine
vielfältigen Beziehungen und seinen
politischen Einfluss intensiv zur Stärkung und
Verbesserung der Position Russlands in Europa, ob
es um politische Dissonanzen oder um kriegerische
Auseinandersetzungen ging. Der Zar dankte ihm
diesen Einsatz 1871 mit der Erhebung in den Kreis
der "durchlauchtigsten Fürsten" und Alexander
Gortschakov konnte sich fortan Graf nennen.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts schwand
Alexander Gortschakovs Einfluss auf der politischen
Bühne allerdings. 1882 gab er das Amt des
Außenministers ab.
Alexander Gortschakovs Beziehung zu Baden-Baden,
die in den 1840er Jahren ihren Anfang genommen
hatte, währte fast ein halbes Jahrhundert. Die
internationale Badegesellschaft, die sich Sommers
an der Oos einfand, war ohne den russischen
Politiker nicht vorstellbar. Der zu Korpulenz
neigende, von Gicht geplagte Lebemann logierte
anfangs in Hotels der Mittelklasse, um später
im Hotel "Europäischer
Hof", wo ihm auf Dauer ein Appartement
reserviert war, Quartier zu nehmen. An diesem, auch
heute noch renommierten, Hotel wurde 1998 eine
Gedenktafel zur Erinnerung an den langjährigen
Gast angebracht.
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Der feinen
Gesellschaft, die sich in Baden-Baden tummelte, war
bekannt, dass der Familienvater Alexander
Gortschakov seit den 1860er Jahren ein
Verhältnis mit einer jungen Dame pflegte und
mit ihr ganz Europa, mit Ausnahme Russlands,
bereiste.
Nach seiner Demission aus russischen Diensten
beabsichtigte der 84jährige, sich für
immer in Baden-Baden niederzulassen und erteilte
seiner Dauerbegleiterin den Auftrag, ein passendes
Haus zu kaufen. Ein fast neues Haus in der
Ludwig-Wilhelm-Straße mit der damaligen
Hausnummer 6 wurde erstanden und bezogen. Bald ging
das Gerücht, der wohlhabende greise Russe
wolle ein zweites Mal heiraten.

Dieses Gerücht muss seine Söhne auf den
Plan gerufen haben, die möglicherweise am 10.
März 1883 während einer Teestunde im
"Europäischen Hof" diese Absicht zunichte
machen wollten. Zu weiteren Unterredungen sollte es
nicht mehr kommen, da Alexander Gortschakov in der
Nacht zum 11. März 1883 in seinem Haus
starb.
Das Brodeln der Gerüchteküche, er sei von
seinen Söhnen aus Erbschaftsgründen
vergiftet worden, hatte die Obduktion des Leichnams
zur Folge. Resultate konnten jedoch kaum ermittelt
werden, da das Untersuchungsmaterial unbrauchbar
geworden war, ob durch Vorsatz oder
Ungeschicklichkeit blieb ungeklärt. Nach der
Einstellung des ergebnislosen behördlichen
Untersuchungsverfahrens wurde der Leichnam eines
der mächtigsten Männer Russlands des 19.
Jahrhunderts in sein Heimatland
überführt. (RW)
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