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Das
Publikum in Baden-Baden ist sehr gespannt auf den
"russischen Ring" - was haben wir von den
Sängern zu erwarten, Maestro Gergiev?
Vielleicht ist es ein Vorteil
für unsere Sänger am Mariinsky-Theater,
in Sachen Wagner ganz frisch bei null zu starten,
obwohl sie nun natürlich sehr gut auf diese
Rollen vorbereitet worden sind. Ich finde aber, es
ist heute hilfreich, dass nicht nur sehr gute
amerikanische, britische, australische oder
französische Sänger das Wagner-Fach
bereichern, sondern nun auch eine sehr gut
trainierte Riege russischer Stimmen kommt. Ich bin
mir sicher, dass dies gut für die Welt der
Oper ist -eine neue Farbe. Warten wir es ab, aber
ich glaube, es wird eine schöne
Überraschung.
Ist
der "Ring" für Sankt Petersburg heute so
wichtig wie vor 100 Jahren?
Ich
habe wunderbare Möglichkeiten mit meinem
Ensemble, Orchester und Chor sowie dem unglaublich
guten Ballett. Und gemessen an der Tradition sind
wir es unserem Publikum einfach schuldig, das
große historische Repertoire im Programm zu
haben. Wir können nicht vorheucheln, dass das
Repertoire nur aus ein wenig Mozart und Verdi
besteht. Wir müssen jetzt alle großen
Erfolge der Musikgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts für uns entdecken.
Haben Sie dazu schon das passende
Ensemble?
Wir
haben eben erst eine Neuproduktion des "Trittico"
von Puccini gemacht - auch nicht ganz leicht zu
besetzen, aber wir haben mittlerweile die passenden
Sänger auf höchstem Niveau im Ensemble.
Klar, sie lernen auch in einigen Produktionen dazu,
besonders im darstellerischen Bereich, aber es kann
sich wirklich hören lassen. Einige unserer
Besten wie Borodina, Netrebko, Putilin können
eben auch sehr flexibel eingesetzt werden. Sie
singen Mozart und Verdi, Puccini und Wagner. Wir
haben Sänger, die den "Commandantore" im Don
Giovanni zur gleichen Zeit singen können wie
den "Hagen" in der "Götterdämmerung".
Wie
war Ihr erster Eindruck nach dem ersten "Ring"
Zyklus, der nun nach Baden-Baden
kommt?
Es war sehr, sehr viel versprechend. Allein das
visuelle Erlebnis ist es wert, diesen Zyklus
mitzuerleben. Es ist unglaublich aufregend.
Ist
das eine Kampfansage an Bayreuth?
Nein, nein. Wir vergleichen uns
überhaupt nicht mit Bayreuth. Uns interessiert
ein anderer internationaler Aspekt. Unser Ziel ist
es, einen "Ring" zu machen, der das globale
Verständnis Wagners in unserer Zeit
reflektiert. Visuell ist diese Produktion
wahrscheinlich Lichtjahre von dem entfernt, was Sie
derzeit in Bayreuth oder Stuttgart sehen. Die
Bühne von George Tsypin steht in ihrer
Ästhetik absolut unabhängig dar.
Aber
geben Sie uns einen Anhaltspunkt. Ist die
Inszenierung in einer bestimmten Zeit
angesiedelt?
Ja
und nein. Wir möchten, dass das amerikanische,
chinesische, russische, französische,
japanische und natürlich das deutsche Publikum
sagt: "Es ist nicht typisch Russland, Hollywood,
Stuttgart oder Kabuki." Welt- und Theatergeschichte
erlauben es in wenigen Fällen, dass ein
Künstler etwas darstellt und jeder ein
Stück seiner Kultur und seiner visuellen
Ästhetik darin entdeckt. Diesen "Ring"
können Sie vielleicht in Peru, in Tibet, in
Mitteleuropa, im Kaukasus wiederentdecken. Es ist
eine Art zeitlose Ästhetik, nicht konkret.
Aber zugegeben, die ossetischen und kaukasischen
Elemente sind deutlich zu sehen, wenn auch in einer
sehr archaischen Art und Weise.
Glauben Sie, dass der "russische
Ring" nach Baden-Baden passt?
Ich freue mich sehr auf die Aufführungen in
Baden-Baden. Die Akustik ist perfekt für den
"Ring" und Baden-Baden ist das deutsche Zuhause des
Mariinsky-Theaters geworden. Wir werden noch einmal
sehr genau proben, aber jeder Musiker und jeder
Sänger freut sich darauf, den "Ring" in
Deutschland zu spielen, hier, wo man den „Ring“
genau versteht und wir deshalb natürlich auch
ein strenges Urteil erwarten dürfen. Aber es
ist doch ein Geben und Nehmen. Wir versuchen Wagner
zu verstehen und Sie versuchen Prokofjiew zu
verstehen. So ist es doch.
Die Fragen stellte Rüdiger Beermann
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