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Für den Westen hat Anna
Politkovskaja das Buch "In Putins Russland"
verfasst, das im Frühjahr 2005 in Deutschland
erschienen ist. Sie selbst betont in ihren
einleitenden Worten, es handle sich hierbei nicht
um eine Analyse der Putin-Herrschaft, sondern um
die Wiedergabe von Erlebtem und emotionaler
Randnotizen in diesem
bevölkerungsmäßig und kulturell
vielschichtigen, flächenmäßig
größten Land der Welt.
Dieses Erlebte ist in seiner Ungeheuerlichkeit
derart überwältigend, dass immer wieder
Besinnungspausen notwendig werden, um nicht von der
Wucht der Fakten regelrecht erschlagen zu
werden.
Weltweit sind Bilder aus dem Tschetschenien-Krieg
ebenso bekannt wie die der Geiselnahme im Moskauer
Musical-Theater vom Februar 2003 und des
Geiseldramas im nordossetischen Beslan vom
September 2004. Weltweit haben sie Entsetzen,
Unverständnis, Mitleid und viele andere
Regungen hervorgerufen, sowie bei Zweiflern die
Frage nach demokratischen Verhältnissen in
Russland laut werden lassen.
Nicht nur diesen Zweiflern sei empfohlen, sich
anhand Anna Politkovskajas Niedergeschriebenem mit
den realen politischen Verhältnissen im
Putin-Land auseinanderzusetzen. Zu finden sind
Dutzende von Beispielen von
Menschenrechtsverletzungen, einhergehend mit der
Schilderung eines übermächtigen
Spitzelapparates oder dem menschenverachtenden
Vorgehen in der russischen Armee, nicht nur
gegenüber vermeintlichen Feinden, sondern auch
gegenüber den einfachen Soldaten, denen wie
Leibeigenen keinerlei Rechte zugebilligt
werden.
Beeindruckend die Zähigkeit der
Soldatenmütter, die beim Kümmern um das
Schicksal ihrer Söhne unbeschreibliche
Ignoranz und Verlogenheit erleben mussten und
müssen, sei es seitens der
Militärverwaltung, sei es seitens der Justiz.
Erschütternd die Beschreibungen der
Foltergruben und der augenscheinlich allenthalben
herrschenden Willkür, getragen von Gier,
Bestechlichkeit und dumpfem Desinteresse, die sehr
häufig in ungesühnt bleibenden Morden
ihren verwerflichen Höhepunkt finden.
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Aufrüttelnd
Anna Politkovskajas Antwort auf die selbst
gestellte Frage: "Warum ich Putin nicht mag? Weil
im Sommer 2004 fünf Jahre seit Beginn des
zweiten Tschetschenien-Krieges vergangen sind, der
nur deswegen begonnen wurde, damit Putin
Präsident wird. Und dieser Krieg nimmt kein
Ende." Oder aber das Fazit am Ende des Buches: "Ihr
sagt immer nur ‚El Kaida', ‚El Kaida'. Ein
verdammter Slogan. Es ist das Einfachste, die
Verantwortung für jede neue blutige
Tragödie wegzuschieben. Es ist das
Primitivste, womit man das Bewusstsein einer
Gesellschaft einlullen kann, die davon träumt
eingelullt zu werden."
Ihr Vorwort beschließt die couragierte
Journalistin mit der Vermutung: "Ich glaube nicht,
dass mein Buch in Deutschland viele Freunde findet.
Wo doch jetzt Freund Putin dort so hoch im Kurs
steht." Dem ist entgegen zu halten, dass dieses
Buch, so Furchtbares darin auch berichtet wird,
jedem überzeugten Demokraten ein mahnender
Begleiter und damit Freund werden sollte.
Das Buch ist im DuMont Literatur und Kunst
Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
Anna Politkovskaja wurde am 7.
Oktober 2006 in Moskau erschossen.

In Putins Russland
Anna Politkovskaja
314 Seiten, gebundene Ausgabe, DuMont Verlag

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