|

|

|


|

|
 
|
Grigorij
Tschitscherin
(1872-1936)
|
|
|
Am 24. November 1872 wurde Grigorij
Wassiljewitsch Tschitscherin in Karaul im
russischen Regierungsbezirk Tambow geboren. Mit 18
Jahren begann er seine berufliche Karriere im
russischen Außenministerium.
1904 schloss sich Grigorij Tschitscherin den
russischen Sozialdemokraten an mit der Konsequenz,
von 1905 an für 12 Jahre im Ausland leben zu
müssen. Berlin (1905-1907), Paris (1907-1914)
und London (1914-1817) waren die Stationen seine
Emigrantenlebens.
In London wurde Grigorij Tschitscherin nach der
Russischen Revolution des Jahres 1917 zunächst
von den Briten verhaftet und danach des Landes
verwiesen.
Im März 1918 trat Grigorij Tschitscherin in
seinem Heimatland die Nachfolge Leo Trotzkijs als
Volkskommissar des Äußeren an. Er
plädierte engagiert für engere
Beziehungen zum im Ersten Weltkrieg besiegten
Deutschland, was 1922 zum so genannten
Rapallo-Vertrag führte. Die Sowjetunion und
Deutschland unterzeichnetem in diesem Vertrag nicht
nur die gegenseitige Anerkennung, was der jungen
Sowjetunion erstmals völkerrechtliche
Anerkennung und damit internationale Aufwertung
brachte. Beide Staaten bekräftigten auch das
Interesse an Zusammenarbeit und Russland
verzichtete auf Reparationsforderungen
gegenüber Deutschland.
Kein geringerer als Ernest Hemingway berichtete am
10. April 1922 von den Geschehnissen: "Die
Journalisten haben Genua heute verlassen und sind
30 heiße Kilometer nach Rapallo gefahren, um
die sowjetische Delegation zu sehen und Georgij
Tschitscherin zu interviewen.
Tschitscherin, blond und in neuen Berliner
Anzügen mit einem großen rechteckigen
roten Abzeichen, sieht aus wie ein
Geschäftsmann. Er spricht wegen seiner
Zahnlücken mit einem leichten Schnurren. Er
empfing die Flut der Reporter schubweise und redete
mit jedem in seiner Sprache. Hunderte von
Fotografen versuchten an den Wachtposten
vorbeizukommen, die ihre Kameras nach Bomben
untersuchten."
Weiter>
|
|

|
 
|

Der deutsche Reichskanzler Wirth
mit der russischen Delegation, Krassin und
Tschitscherin. Wirth unterzeichnete zusammen mit
Außenminister Walther Rathenau den
Rapallo-Vertrag mit der Sowjetunion. Mit dem
Vertrag durchbrach Deutschland seine
außenpolitische Isolation.
Keine Interviews wurden gewährt, als Grigorij
Tschitscherin im Juni 1927 nach Baden-Baden kam.
Gustav Stresemann, der damalige deutsche
Außenminister, hielt sich zur Erholung in der
Kurstadt auf und war im Brenner's Kurhof
abgestiegen. Der kranke russische
Außenminister Grigorij Tschitscherin war in
Frankfurt behandelt worden und besuchte seinen
Amtskollegen in Baden-Baden. Das Treffen hatte rein
"privaten" Charakter, weswegen auch kein
offizieller Empfang seitens der Stadt erfolgte. Die
"privaten" Gespräche der beiden Herren
müssen jedoch von solcher Brisanz gewesen
sein, dass Gustav Stresemann nach der Abreise
Grigorij Tschitscherins seinen Aufenthalt abbrach
und nach Berlin zurückkehrte.
Im Februar 1930 legte Grigorij Tschitscherin sein
Amt als Außenminister aus gesundheitlichen
Gründen nieder. Am 7. Juli 1936 starb er in
Moskau.
Der Nachwelt bleibt er nicht nur als
Deutschlandfreundlicher Diplomat sondern auch als
Musikforscher in Erinnerung. Seine schriftliche
Auseinandersetzung mit Wolfgang Amadeus Mozarts
Musikkunst wurde im Jahr 1978 aus dem Russischen
übersetzt. (RW)
Hintergrund-Informationen zum
Rapallo-Vertrag
|
|

|

|